Wir schaffen das oder ist die Tür schon zu?

Die humanitäre Situation derzeit bzw. seit Jahren beschäftigt mich sehr. Es gibt viele Sichtweisen und meine muss nicht die richtige sein, aber…

…ich liege nachts wach und frage mich: „Sieht das denn keiner außer mir?“… Und Konstantin Wecker 😉

Und dann weiß ich, ja, das sehen auch viele andere wie ich, aber es werden immer weniger!

Das Thema ist groß und kompliziert und doch so einfach. Es brodelt schon seit Jahren und wir haben zugesehen und gedacht, das geht vorbei. Aber es geht nicht vorbei. Es geht nicht erst seit 2011 sondern durch andere Kriege als Syrien und die Industrialisierung wohl weit länger. Es war auch nicht nur unsere Kanzlerin, die es in Gang gebracht hat, mit ihrem „Wir schaffen das!“ Wenngleich es vieles in Bewegung gebracht hat, dabei Welt weit besser vernetz ist, als wir dachten und Angela M. ahnte. Es hat etwas noch stärker in Gang gebracht, keiner in der Form erahnt hat. Angela M. war wahrscheinlich überfordert und hat es nur gut gemeint. Aber gut gemeint ist je bekanntlich das Gegenteil von gut (Tucholsky). Ich hätte in ihrer Situation wohl ähnlich gehandelt und bin heilfroh, dass ich keine Kanzlerin bin.

europe-flagIch hätte die Auswirkungen, vor allem auf die EU, auch nicht erahnt und weiß nur, dass mir Europa bzw. die europäische Gemeinschaft wichtig ist. Ich denke die Idee der EU ist eine gute, wichtige und große Idee, aber eben auch schwierig und kompliziert, weil so viele Ideologien mitmischen. Und gleichzeitig ist sie wichtig, fast wie eine Familie. Alleine sind wir klein und machtlos aber in der Familie sind wir geborgen und groß!

Das Thema ist groß und daher versuche ich es mal, wie folgt, kleiner zu machen:

Ich setzte Europa mit einer Familie gleich. Mit einer großen Familie. Meine ist zwar sehr klein, wir sind nur zu dritt 😉 aber ich versuche es mal hypothetisch.

Nehmen wir an eine Bekannte von mir aus Hamburg hat Probleme bei sich in der Familie. Sie erzählt mir, dass sie geschlagen, vergewaltigt und gedemütigt wird. . Und ich beschließe sie aufzunehmen, nach dem Motto „wir schaffen das!“. Ohne meinen Mann und meine Familie zu fragen. Das würde ich nie tun! Selbst bei einem kurzen Besuch, würde ich meine Familie vorab fragen.

Sie kommt also von Hamburg nach München, mit ihren Kindern und sie hat sehr viele Kinder. Ich habe meinen Mann und meine Kinder (EU-Staaten) ,wie gesagt, nicht gefragt. Stattdessen habe ich über Facebook und Twitter verlauten lassen: „Wir schaffen das!“.

Meine Töchter (hypothetisch und stellvertretend für alle Länder am Meer) haben die Aufgabe in der Familie, die Betten zu machen und müssen das jetzt natürlich auch für die Gäste aus Hamburg tun. Die Söhne (stellvertretend für die Balkanstaaten) sind im Haushalt schon immer für den Müll zuständig gewesen und haben jetzt etwas mehr Müll zu entsorgen. Alles ungefragt. Sowohl die Töchter als auch die Söhne ächzen und beschweren sich, ob der vielen Arbeit. Ich kümmere mich aber wenig und hoffe, dass es bald besser wird.

Wird es aber nicht! wird es nicht

Inzwischen wird auch mein Mann (stellvertretend für Bayern) unruhig und schaut sich nach einer neuen Partnerin um (Ungern, Österreich).

Außerdem habe ich fast alle Kinder gegen mich und wegen der misslichen Lage sind einige auf die schiefe Bahn geraten und vom rechten Weg abgekommen.

Zu „guter“ Letzt steht schließlich das Jugendamt (andere Parteien) vor der Tür. Wie die Geschichte ausgeht, weiß ich leider nicht, aber eines weiß ich bestimmt, die Tür zu machen und meiner Bekannten aus Hamburg weiter beim Leiden zusehen, kann nicht die Lösung sein.

 

Anekdote am Ende: Früher habe ich auf die Frage, woher ich denn komme, immer gerne gesagt: „Bayern“. Heute antworte ich lieber: „Europa““

Ein Gedanke zu “Wir schaffen das oder ist die Tür schon zu?

  1. Ja, mich beschäftigt die Lage auch: Ich frage mich, ist das die Lösung? Die „Verwandten aus Hamburg“ aufzunehmen ohne die Möglichkeiten bei ihnen zu Hause genauer anzuschauen? Was gibt es da für Hilfe? Wie kann man die Familie dort stärken? Wer hat welche Fähigkeiten, welche Netzwerke? Wie kann man die „Hamburger Familie“ über den Abstand aus „Bayern“ hinweg stärken, unterstützen? Danke für den Beitrag. Ich bin aus dem Land, dass Ihr „Mann“ sich als „neue Partnerin“ gewählt hat.

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