Empathie bei der Stellensuche

Bei Wikipedia wird unter anderem behauptet, dass Empathie etwas mit der Fähigkeit UND Bereitschaft zutun hat, die Emotionen des anderen zu erkennen. Zumindest an der Bereitschaft scheint es auf dem Stellenmarkt zu mangeln.

Ein kurzer Rückblick

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Damals

Als 33-jährige war ich selbständig im Radio tätig. Das war so gewollt und eine geniale Zeit mit vielen Erlebnissen und Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Als ich schwanger wurde habe ich sogar nachts mit Eimer neben dem Mikro gearbeitet, wegen der anfänglichen Übelkeit. Ich musste den Eimer nie auswaschen und es war ok für mich. Als Raphael dann zur Welt kam wurde ich unflexibel und war noch nicht fest genug im Moderatorensessel, also entbehrlich und vielleicht auch nicht gut genug. Daher habe ich mich aufs Texten und Sprechen unter anderem von Werbespots konzentriert. Goalwriter war mein Textername, den ich heute zu verwirrend finde, da ich nicht nur über Fußball geschrieben habe. Außer in meinem Buch „Abseitsfalle – Ein Frauenroman“eigentlich gar nicht. Da ich für das einsame Schreiben in der Wohnung nicht gemacht bin und Raphael inzwischen groß genug ist und mich nicht mehr rund um die Uhr braucht, suche ich eine Anstellung in Teilzeit. Als Texterin habe ich es bereits aufgegeben und suche jetzt Assistenztätigkeiten im Bereich Umwelt, Sport oder für die Stadt.

Und … ich suche die Empathie bei den Firmen…

Wo ist die Empathie?

Ich weiß, ich bin nicht alleine. Gestern kamen die  Zahlen. 2.389.000 kennen meine Situation oder sogar nur 2.388.999 😉 Eine davon bin ja ich 😉 Wie auch immer, ich kann nur von mir reden und kann sagen 40% antworten gar nicht und weitere 40% schicken ein Standardschreiben egal wie individuell meine Bewerbung war. Ich bin inzwischen schon froh, wenn ich in diesen Schreiben nicht mit Herr xy angesprochen werde.

Mir ist klar, dass bei der Anzahl an Bewerbungen, die pro Gesuch auf den Schreibtischen landen, kein Unternehmen individuelle Absagen verschicken kann. Dafür bin ich emphatisch genug. Nur scheint den Firmen nicht klar zu sein, was eine solche Suche für jeden Einzelnen bedeutet. Die Bewerber suchen einen Job um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Das hat etwas mit der Existenz des Suchenden zu tun und oft mit der Existenz der dazugehörigen Familie. Für die Bewerber geht es meistens um sehr viel. Wenn den Firmen klar wäre, wie es dem Suchenden geht, würden mehr Unternehmen zeitnah reagieren und vielleicht etwas individueller. Die Tatsache, dass circa 40% gar nicht antworten, ist nicht sehr emphatisch, fast schon respektlos.

Mein heutiges Aha-Erlebnis

Wie sehr es mich inzwischen gefangen hat, trotz all meiner Zuversicht und mentalen Stärke, habe ich heute Morgen erkannt, als ich im Bad war.

Beim ersten Klingelton des Telefons bin ich hektisch und unachtsam in Richtung Handy gerannt. Nackt und nass wie ich war, bin ich ausgerutscht und habe mir das Handgelenk gestaucht. Wie sich herausstellte war der Anrufer mein Vater.

Inzwischen bin ich trocken, angezogen, die Haare sind geföhnt und meiner Hand geht es wieder gut. Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass ich angespannt bin und auf 25 Antworten warte. Und damit sind nur die Reaktionen des letzten Monats gemeint. Die, die noch weiter zurückliegen, zähle ich nicht mehr.

Die andere Erkenntnis ist die, dass bei der Stellensuche kein Platz für Empathie ist. Es würde die Unternehmen zu sehr aufhalten, sich mit den Personen zu beschäftigen, die sie für ihr Unternehmen nicht besetzen möchten. Hart für die Suchenden, aber irgendwie verständlich.

P.S.: Übrigens

Ich möchte ein Unternehmen (am liebsten im Bereich Umwelt oder Fußball) in Teilzeit dabei unterstützen, etwas zu verändern. Wenn Du jemanden kennst, der Textertalent, Organisationsfähigkeit, Engagement und andere Erfahrungen braucht, teile gerne diesen Link. – Danke

 

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